Hüten Sie sich vor dem „Eselskarren“

Quelle: Saskia A. Rotterdam

Der Titel dieses Beitrages irritiert Sie vielleicht … daher vorab zur Erklärung folgendes:

Den Ausdruck „sich vor den Karren spannen lassen“, kennen Sie bestimmt. Falls nicht, hier die Erläuterung dazu: Sich von jemandem für dessen Zwecke ausnutzen oder ausbeuten lassen, der nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist.

In Vorzeiten wurden Pferde, Ochsen oder Esel vor Karren gespannt und hatten schwere Arbeit zu leisten … sehr oft, ohne dass diese gewürdigt wurde.

In Ihrer Position als Assistenz / Referent(in) der Geschäftsführung / Vorstands, werden Sie unweigerlich in die Situation geraten, dass eine Führungskraft versuchen wird, genau dies mit Ihnen zu tun. Bediente Instrumente, dass Sie das Problem der Führungskraft indirekt zu Ihrem machen, sind:

  • Der „Freundschaftstrick“: eine Führungskraft, mit der Sie bisher meinten, sich gut zu verstehen und offen sprechen zu können, nutzt diese „Freundschaft“, damit Sie – in Ihrer Position als rechte Hand des Geschäftsführers / Vorstands – etwas ansprechen oder gar durchdrücken.
  • Der „Katastrophen-Trick“ oder auch „Dramatisierungs-Trick“: die Führungskraft regt sich bei Ihnen nach allen Regeln der Kunst über etwas auf. Dramatisiert noch ein wenig, um Ihnen zu „verdeutlichen“, dass Sie doch unbedingt etwas tun müssen. Dabei nicht zu vergessen, Ihnen unbewusst zu suggerieren, dass „alles aus dem Ruder läuft“, wenn „nichts“ getan wird.
  • Wenn die beiden oben genannten Instrumente nicht greifen – weil Sie ja so unglaublich standhaft sind und sich partout nicht manipulieren lassen wollen 😉 – geht die Führungskraft gerne zum „Herdentrieb-Muster“ über. Sprich: „die anderen sehen das auch so. So kann es unmöglich weiter gehen. Wir müssen da doch was tun.“

Jede Art der Beeinflussung funktioniert nur da, wo Emotionen sind. Sie können sich jederzeit alle Sorgen und Nöte der Führungskraft anhören, aber ihr / sein Problem ist und bleibt seines / ihres. Hüten Sie sich davor, sich vor den „Esel-Karren“ mit anderer Leute „Problemen“ spannen zu lassen.

Sie können höchstens dabei behilflich sein, dass die Führungskraft eine Möglichkeit bekommt, das Problem mit dem Geschäftsführer / Vorstand direkt zu besprechen.

Das klingt vielleicht „hart“ und läuft den Ansprüchen der Teamarbeit entgegen. Sie sollten sich aber bewusst darüber sein, dass Sie bei einigen Kollegen nur dann ein Teil des Teams sind, wenn sie sich einen Vorteil davon erhoffen. Nein, das ist nicht in allen Unternehmen so … trotzdem rate ich, sehr genau zu beleuchten, wessen Problem es wirklich ist und wie weit Sie bei der „Lösung“ des Problems tatsächlich helfen möchten. Das so große, dramatische Problem stellt sich womöglich als gar nicht so gravierend raus. Spätestens dann haben Sie an Ihrer Glaubwürdigkeit und Integrität „gesägt“, weil Sie sich haben einspannen lassen. Dann ist der Zeitpunkt sich zu fragen: War es das wert?

Meine persönliche Erfahrung (die beileibe nicht DIE Lösung ist): bieten Sie der Führungskraft Gehör, bewerten Sie das „Problem“ für sich und holen Sie Informationen ein, bevor Sie in irgendeiner Form tätig werden. Bieten Sie der Führungskraft dann evtl die Möglichkeit sein / ihr Problem beim Vorstand oder Geschäftsführer zu adressieren. Bekommt er / sie dann die „Zähne nicht auseinander“ oder spielt es womöglich runter, wissen Sie (für alle Zeiten), woran Sie sind.

Handeln Sie zu vorschnell und unüberlegt, tragen Sie die Konsequenzen. Der Verursacher / die Verursacherin wird Ihnen mit ziemlicher Sicherheit nicht zur Seite stehen und sagen „ich habe das Problem schlimmer dargestellt, als es eigentlich ist“. Ein Zitat von Gerhard Uhlebruck trifft es sehr gut: ein Zugpferd, dass sich vor den Karren anderer spannen lässt, ist ein Esel … womit wir wieder bei der Überschrift wären.

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